WIGE | wohnen in Gemeinschaft
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Genossenschaft in Gründung

Die Arbeitsgruppe 'Genossenschaft' hat ihre Arbeit zur Gründung aufgenommen. Neben dem Erwerb von Wohnraum als Eigentum, wird dadurch die Möglichkeit genossenschaftlichen Wohnens eröffnet.

 

Die Vorzüge:

  • Genossenschaftliches Wohnen ist so sicher wie Eigentum: jedes Mitglied hat mit ihrem Dauernutzungsvertrag ein lebenslanges Wohnrecht in der Genossenschaft. Eigenbedarfskündigungen sind ausgeschlossen.
  • Mitglieder sind gleichzeitig Mieter und Miteigentümer der Genossenschaft und haben ein weitgehendes Mitwirkungsrecht (Stimmrecht nach Person, nicht nach Kapitalanteil. Jedes Mitglied hat eine Stimme)
  • Das Geld für Eintritt und Genossenschaftanteile ist gut und sicher angelegt.
  • Dauerhaft günstige Nutzungsgebühren, da die Genossenschaft im Sinne ihrer Mitglieder 'denkt' und weniger im Sinne von Gewinnmaximierung. Durch ehrenamtliche Selbstverwaltung  und Selbsthilfe können Kosten gesenkt werden.
  • Bei Veränderungen der Lebenssituation ist eine hohe Flexibilität gegeben: ein Wechsel in eine andere frei werdende Wohnung ist möglich ebenso wie eine Kündigung  (vergleichbar mit einer Mietwohnung).

 

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Warum eine eingetragene Genossenschaft? (von Burghard Flieger)
Sieben gute Gründe für die Wahl der Rechtsform!


1. Demokratieprinzip: Durch die Anpassung an die Kapitalgesellschaften weist die Genossenschaft heute viele von deren Vorteilen auf wie Haftungsbegrenzung auf das Eigenkapitalbzw. das jeweilige Geschäftsguthaben, eigenständige Rechtsfähigkeit und die Abzugsfähigkeit der Vorstandsbezüge vom Gewinn. Trotzdem ist die Genossenschaft eine Personengesellschaft.
Entsprechend gehören die Gleichberechtigung der Mitglieder, die demokratische Organisation und damit die Abstimmung nach Köpfen und nicht nach gezeichneten Anteilen zu den zentralen Bestandteilen dieser Unternehmensform.


2. Wertebindung: Mit keiner anderen Rechtsform sind außerwirtschaftliche Leitbilder so stark verbunden wie mit der Genossenschaft. Kooperation, gesellschaftliche Verantwortungvon Unternehmen, betriebliche und zwischenbetriebliche Demokratie werden als gewachsene Traditionen mit dieser Form verbunden. Moderne Weiterentwicklungen wie umweltbewusstes Management, ökologische Produktpolitik, soziale Verantwortung oder andere Formen der Unternehmensethik lassen sich problemlos integrieren. Die Folge ist eine starke identitätsbildende Wirkung auf die Mitglieder, mit der Folge einer moralischen Selbstverpflichtung nach innen und höherer Glaubwürdigkeit und damit Akzeptanz nach außen. Weder von der Aktiengesellschaft noch von der GmbH kann diese in annähernd gleicher Weise erreicht werden.


3. Transparenzabsicherung: Nicht nur die unveränderliche Verankerung demokratischer Entscheidungen der Mitglieder in der Generalversammlung erweist sich als Vorzug der Genossenschaft. Auch sonst ist sie die Unternehmensform der Kooperation. So gibt es viele Bestandteile, die einer Hierarchisierung und damit ein Aushöhlen gleichberechtigter Zusammenarbeit
entgegenwirken. Dazu gehören das so genannte Vieraugenprinzip bei der rechtsverbindlichen Vertretungsbefugnis und die unveräußerbaren Rechte der Mitgliederversammlung über Gewinn, Verlust, Veränderung des Unternehmenszwecks, Feststellung des Jahresabschluss etc. zu beschließen. Auch die zentrale Rolle des Aufsichtsrates ist hervorzuheben: Als Kontrollinstrument der Mitglieder muss er in deren Auftrag, möglichst in der Satzung durch die Liste der zustimmungspflichtigen Entscheidungen konkretisiert, bei allen wichtigen Fragen mitwirken.


4. Großgruppeneignung: Die Genossenschaft eignet sich für eine große Anzahl gleichberechtigter Personen bzw. Organisationen. Ausgedrückt wird dies durch den Hinweis auf die „offene Mitgliedschaft“. Entsprechend gehen Ein- und Austritte und die damit verbundenen Erhöhungen oder Senkungen des Eigenkapitals unkompliziert vonstatten. Während bei der GmbH Gesellschafterwechsel, Ein- und Austritte nur durch notarielle Beurkundung mit entsprechenden Kosten möglich sind, werden solche Veränderungen bei der Genossenschaft "unbürokratisch" durch entsprechende Eintragungen in der selbst geführten Liste der Genossenschaftsmitglieder vollzogen.


5. Kapitalteilneutralisierung: Als Vorteil und Nachteil bei der Genossenschaft ist die Teilneutralisierung des Kapitals hervorzuheben. Wer aus der Kooperation aussteigt, hat nur Anspruch auf sein Geschäftsguthaben (Einzahlung minus Verlustzuschreibungen plus Gewinnausschüttungen maximal in Höhe der gezeichneten Anteile). Ein Zugriff auf den so genannten
inneren Wert bzw. die stillen Reserven ist ausgeschlossen, solange dies nicht ausdrücklich anders in der Satzung verankert wird. Dadurch hält sich der Anreiz, mehr Kapital als die Pflichtanteile in die Genossenschaft einzuzahlen, in Grenzen. Gleichzeitig werden aber spekulative Handlungsmöglichkeiten wie bei der Aktiengesellschaft vermieden. Kooperatives Handeln im Umgang mit dem gemeinsamen Eigentum ist somit auch rechtlich gestützt.


6. Prüfungspflicht: Keine Unternehmensform weist so wenige Insolvenzen auf wie die Genossenschaft. Erklären lässt sich dies damit, dass die Genossenschaft in einen Kooperations- und Prüfungsverbund mit anderen Genossenschaften eingebunden ist: Jedes genossenschaftliche Unternehmen muss Mitglied eines Prüfungsverbandes sein, der eine Gründungsprüfung und in regelmäßigem ein- oder zweijährigem Abstand weitere Prüfungen durchführt. Wichtigstes Ziel ist es, eine Gefährdung der Belange der Mitglieder, der Kunden und Gläubiger zu vermeiden. Insofern können auch Mitglieder, die aus zeitlichen Gründen oder aufgrund fehlender wirtschaftlicher Kenntnisse selbst die Aktivitäten der Geschäftsführung nicht überprüfen (können) sicher sein, dass mit ihren Einlagen verantwortlich umgegangen wird. Die Prüfung ersetzt zugleich die fehlenden Vorgaben beim Eigenkapital: Mindestbeträge wie bei der GmbH oder der AG sind nicht vorgeschrieben.


7. Mitgliederförderung: Gesetzlich verankerter Unternehmenszweck der Genossenschaft ist die Förderung ihrer Mitglieder mittels gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebs. Dies bedeutet, dass nicht der Gewinn, der an die Kapitalgeber ausgeschüttet wird, im Vordergrund steht. Vielmehr geht es um die Nutzung der Angebote der Genossenschaft. Wer auf diese Weise mit zu deren wirtschaftlichen Erfolg beiträgt, kann auch finanziell Vorteile über das Instrument der Rückvergütung erhalten: Überschüsse fließen, orientiert an der Höhe der Umsätze der Mitglieder mit der Genossenschaft, zurück an die Beteiligten, die sich wirtschaftlich besonders engagieren.

 

Quelle:Burghard Flieger in: innova eG (2007): Genossenschaften gründen – Genossenschaften nutzen. Hilfen zur Gründung von Genossenschaften, Leipzig S. 30f.